NAMUR Ventile VU Reihe

  • Garantiert Betrieb für 50 Millionen Zyklen
  • CNC-gemachte, eloxierte und lackierte Struktur, um Präzision und Haltbarkeit zu garantieren
  • Interne Metallkomponenten zur Begrenzung der thermischen Ausdehnung

Pneumatisch und elektrisch betätigte Ventile mit NAMUR-Direktmontagemethode. Komplett aus Aluminium gefertigt, um die Festigkeit und Haltbarkeit im Laufe der Zeit zu erhöhen.

Erhältlich in der Größe 1/4 und in den Funktionen 3/2 und 5/2.

VU43, VU45
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Anwendungskontext: Betätigung industrieller Ventile

In Prozesssteuerungssystemen erfolgt die Betätigung eines Pneumatikventils in drei Stufen: Signal → Schalten → Bewegung. Die zweite Stufe — das pneumatische Steuerventil — ist entscheidend für die Reaktionsgeschwindigkeit des gesamten Systems und für die Komplexität der Installation.

Wenn schnelle Reaktionszeiten oder häufige Schaltzyklen erforderlich sind, werden Pilotventil und Montage zu entscheidenden Faktoren für die Systemleistung. Genau hier wird das Konzept der NAMUR-Integration zu einer konstruktiven Entscheidung und nicht nur zu einer Baupräferenz.

Grenzen von Magnetventilen mit dezentraler Montage

Ein auf einem Panel oder einem zentralen Manifold montiertes Magnetventil, das über flexible Leitungen mit dem Antrieb verbunden ist, führt zu drei systematischen Problemen:

  • Totvolumen der Leitung: Das Luftvolumen zwischen Ventil und Antrieb muss bei jedem Zyklus befüllt oder entlüftet werden. Selbst bei kurzen Distanzen (0,5–1 m Schlauch mit 6–8 mm Durchmesser) verlangsamt das zusätzliche Volumen die Druckfront und verlängert die tatsächliche Schaltzeit des Antriebs gegenüber der reinen, vom Hersteller angegebenen Reaktionszeit des Ventils.
  • Verbindungen und Verschraubungen als Leckagestellen: Jede Gewinde- oder Steckverbindung stellt eine potenzielle Mikro-Leckagestelle dar. Bei intensiven Zyklen (>20 Zyklen/min) führen selbst minimale Leckagen zu kumulativen Druckverlusten, die das verfügbare Drehmoment des Antriebs reduzieren.
  • Wartungskomplexität: Die Fehlersuche in einem verteilten Pneumatiksystem — mit getrenntem Ventil, Leitungen und Antrieb — erfordert schrittweise Inspektionen. Diagnose- und Wiederherstellungszeiten wirken sich direkt auf die Anlagenverfügbarkeit aus.

Prinzip der direkten NAMUR-Integration

Montage am Antrieb

Der NAMUR-Standard (VDI/VDE 3845) definiert eine normierte Schnittstelle, die die Direktmontage des Ventils auf dem Antrieb ermöglicht und die Leitungen zwischen beiden Komponenten eliminiert. Die Ventile der Serie VU setzen diesen Standard mit 1/4-Anschlüssen um, kompatibel mit der NAMUR-Baugröße für mittelgroße und große Antriebe.

Das praktische Ergebnis ist ein integriertes Ventil-Antrieb-System: Der Versorgungsdruck gelangt zum Ventil, das schaltet und die Kammern des Antriebs direkt über die internen Kanäle des NAMUR-Flansches versorgt.

Reduzierung pneumatischer Verbindungen

In einer dezentralen Konfiguration benötigt ein doppeltwirkender Antrieb mit 5/2-Ventil typischerweise: 1 Versorgungsleitung, 2 Arbeitsleitungen (→ Kammern A und B) und 1 Abluftleitung.

Mit der direkten NAMUR-Montage verlaufen die Arbeitsleitungen intern im Anschlussflansch — sie verschwinden aus der Topologie der Anlage.

Es verbleiben nur die Hauptversorgung und die Abluft. Dadurch werden Verbindungskomponenten, potenzielle Leckagestellen und die pneumatische Verschlauchung reduziert.

Die konstruktiven Vorteile der NAMUR-Ventile

Kompaktheit

Die vollständig aus CNC-bearbeitetem Aluminium gefertigte Konstruktion — eloxiert und lackiert — hält das Gewicht gering, ohne die strukturelle Steifigkeit zu beeinträchtigen.

Das Fehlen von Leitungen zwischen Ventil und Antrieb eliminiert den Platzbedarf der Verschraubungen, ein wesentlicher Vorteil in kompakten Pneumatikschränken oder bei Installationen an schwer zugänglichen Antriebspositionen.

Reaktionsgeschwindigkeit

Die vom Hersteller angegebenen Reaktionszeiten (Edition 2024) für pneumatische Betätigung betragen:

  • Monostabil: Öffnen (TRA) 7 ms, Rückstellung (TRR) 15 ms
  • Bistabil: Öffnen und Rückstellung 7 ms

Bei elektrischer Betätigung (Magnetspule):

  • Monostabil: TRA 19 ms, TRR 45 ms
  • Bistabil: TRA 22 ms, TRR 22 ms

Diese Werte beziehen sich ausschließlich auf die Ventilschaltung. Der Vorteil der NAMUR-Montage liegt darin, dass der Strömungsweg zum Antrieb minimal ist: Die Druckfront erreicht die Kammern des Antriebs nahezu sofort nach dem Schalten, ohne Verzögerungen durch das Leitungsvolumen.

Bei hochfrequenten Zyklen ist der Unterschied der tatsächlichen Betätigungszeit zwischen einer dezentralen Konfiguration und einer direkten NAMUR-Montage messbar und signifikant.

Zuverlässigkeit

Die garantierte Lebensdauer von 50 Millionen Zyklen ist der relevante Parameter für die Langzeitauslegung. Bei kontinuierlich 20 Zyklen/min entsprechen 50 Millionen Zyklen etwa 4.750 Betriebsstunden vor einem geplanten Austausch.

Die Konstruktion mit internen Metallkomponenten (anstelle von Kunststoff) begrenzt dimensionsbedingte Veränderungen durch thermische Ausdehnung, die bei schnellen Zyklen oder in Umgebungen mit starken Temperaturschwankungen die Dichtheit der Dichtungen beeinträchtigen können.

Die Spule arbeitet im Dauerbetrieb (ED 100 %) mit Schutzart IP65 bei montiertem Stecker. Die Leistungsaufnahme beträgt 3 W bei DC (12 oder 24 V) und 5 VA bei AC (24, 110, 220 V), mit einem Einschaltstrom von 7,5 VA bei AC-Versionen: Werte, die mit den meisten digitalen Ausgangsmodulen industrieller SPS kompatibel sind, ohne Zwischenrelais zu benötigen.

Vereinfachte Wartung

Die Ventil-Antrieb-Einheit kann als kompletter Block ausgetauscht werden. Im Falle eines Ventilfehlers betrifft die Demontage nur den NAMUR-Flansch — vier Schrauben — ohne Eingriffe an den Leitungen.

Die Austauschzeit ist im Vergleich zu einer dezentralen Installation drastisch reduziert, bei der Schläuche, Verschraubungen und elektrische Verkabelungen an separaten Komponenten getrennt werden müssen.

Auswirkungen auf die Anlagenleistung

In einer Prozesslinie mit 20 pneumatischen Ventilen im Wiederholbetrieb hat der Austausch dezentraler Magnetventile durch direkte NAMUR-Ventile kumulative Auswirkungen auf drei Kennzahlen:

  • Reduzierung von Luftverlusten: Jede eliminierte Verbindung reduziert das Risiko von Mikro-Leckagen. In Anlagen mit einem 6-bar-Netz werden die Energiekosten pneumatischer Leckagen oft bis zum Energieaudit unterschätzt.
  • Reduzierung der pneumatischen Verschlauchung: weniger Schläuche, weniger Verschraubungen, weniger Befestigungsklammern. Bei der Installation bedeutet dies eingesparte Arbeitsstunden; im Betrieb weniger Komponenten, die mechanischem Verschleiß durch Vibrationen oder thermische Zyklen ausgesetzt sind.
  • Schnellere Anlagenreaktion: In zeitkritischen Automatisierungssequenzen (z. B. Durchflussregelung als Reaktion auf Prozessmessungen) verbessert die Reduzierung der Betätigungsverzögerung die Regelqualität und reduziert Overshooting.

Technische Analyse der NAMUR-Ventile der Serie VU

Konstruktive Merkmale

Parameter

Wert

Nenndurchmesser

7,5 mm

Durchfluss bei 6 bar, ∆p 1 bar

1.100 Nl/min

Betriebsdruck (monostabil)

2,5 ÷ 10 bar

Betriebsdruck (bistabil)

1 ÷ 10 bar

Betriebstemperatur

−10 °C ÷ +60 °C

Angegebene Lebensdauer

50 Millionen Zyklen

Gehäusematerial

Aluminium (CNC-bearbeitet, eloxiert, lackiert)

Leistungsaufnahme Spule DC

3 W (12 oder 24 VDC)

Leistungsaufnahme Spule AC

5 VA Betrieb / 7,5 VA Einschaltstrom

IP-Schutzart (mit Stecker)

IP65

Der Durchfluss von 1.100 Nl/min bei 6 bar mit ∆p von 1 bar ist kompatibel mit der direkten Versorgung mittelgroßer Drehantriebe (z. B. Serie AT bis Ø32 mm) und gewährleistet ausreichende Druckaufbauzeiten der Kammern auch bei schnellen Zyklen.

Verfügbare Konfigurationen

3/2-Funktion (VU43): ein Arbeitsanschluss, geeignet für einfachwirkende Antriebe mit Rückstellfeder. In NC-Konfiguration (normal geschlossen) hält das Ventil den Antrieb ohne elektrische Versorgung in Ruhestellung (Feder ausgefahren) — bevorzugte Lösung in Sicherheitsanwendungen, bei denen die Fail-Safe-Position geschlossen ist.

5/2-Funktion (VU45): zwei Arbeitsanschlüsse für doppeltwirkende Antriebe. Ermöglicht die unabhängige Steuerung beider Antriebskammern mit vollständiger Kontrolle von Geschwindigkeit und Drehmoment in beiden Richtungen.

Monostabil vs. bistabil: Die monostabile Version kehrt bei Spannungsabfall (über Feder oder Pilotdruck) in die Ruhestellung zurück und gewährleistet ein deterministisches Verhalten bei Signalunterbrechung. Die bistabile Version hält die letzte Position auch ohne Versorgung — geeignet für Systeme, bei denen der Energieverbrauch minimiert werden muss oder Signalunterbrechungen keine unerwünschten Bewegungen des Antriebs verursachen dürfen.

Beide Versionen sind mit pneumatischer (PN) oder elektrischer Betätigung (EL, Magnetspule) erhältlich.

Industrielle Anwendungen

Die NAMUR-Ventile der Serie VU sind für Anwendungen ausgelegt, bei denen schnelle Reaktionszeiten, hohe Betriebssicherheit und reduzierte pneumatische Verschlauchung kritische Konstruktionsanforderungen darstellen.

Die direkte Integration mit pneumatischen Drehantrieben macht sie besonders geeignet für industrielle Automatisierungssysteme mit hoher Taktzahl, bei denen Kompaktheit und Wartungsfreundlichkeit die Anlagenleistung direkt beeinflussen.

  • Steuerung von Kugel- und Absperrklappen: Die Kombination mit Drehantrieben in direkter NAMUR-Konfiguration ist der primäre Anwendungsfall.
  • Dosier- und Mischanlagen: Kurze Zyklen (schnelle Öffnungs-/Schließsequenzen) erfordern Reaktionszeiten im Millisekundenbereich.
  • Prozessautomatisierung in rauen Industrieumgebungen: Die eloxierte Aluminiumkonstruktion mit IP65 und Betriebstemperaturen bis +60 °C deckt Umgebungen mit Staub, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen ab.
  • Verpackungs- und Handhabungssysteme: Die Lebensdauer von 50 Millionen Zyklen ist entscheidend für Anwendungen mit hoher Taktzahl.

Auswahlkriterien: NAMUR-Ventile vs. Standard-Magnetventile

Kriterium

NAMUR-Ventil (Serie VU)

Dezentrales Magnetventil auf Manifold

Systemarchitektur

Antrieb mit NAMUR-Flansch

Zentrales Manifold mit Schlauchverteilung

Abstand Ventil–Antrieb

Null (Direktmontage)

Variabel (typisch 0,3–2 m)

Totvolumen im Kreislauf

Minimal

Proportional zur Schlauchlänge

Tatsächliche Reaktionszeit

Hängt nur vom Ventil ab

Beeinflusst durch Leitungsvolumen

Wartung vor Ort

Austausch als kompletter Block

Eingriff an separaten Komponenten

Anzahl pneumatischer Anschlüsse

2 (Versorgung + Abluft)

4+ (Versorgung + 2 Arbeitsleitungen + Abluft)

Typische Anwendung

Industrieventile, Drehantriebe

Zylinder auf zentraler Ventilinsel

Die NAMUR-Lösung ist immer dann zu empfehlen, wenn schnelle Reaktionszeiten kritisch sind und die Komplexität der pneumatischen Verschlauchung reduziert werden soll.

Die NAMUR-Ventile der Serie VU erfüllen eine präzise Funktion innerhalb pneumatischer Systemarchitekturen: die schlauchgebundene Verbindung zwischen Steuersignal und Antrieb zu eliminieren und den Pneumatikkreislauf auf seine direkteste Form zu reduzieren.

Der Anwendungswert zeigt sich auf Systemebene: Ein Antrieb mit direkt montiertem NAMUR-Ventil ist eine einfachere, schnellere und wartungsfreundlichere Einheit als eine vergleichbare dezentrale Konfiguration.

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